Vortrag und Diskussion mit Paul Mentz: „Wir“ ist Europa – zur Kritik des Antiamerikanismus

Über den amerikanischen Nationalcharakter schrieb G.W.F. Hegel, dass dieser „in der Richtung des Privatmannes auf Erwerb und Gewinn […], in dem Überwiegen des partikularen Interesses, das sich dem Allgemeinen nur zum Behufe des eigenen Genusses zuwendet“ bestehe. Diese Aussage Hegels könnte heute in einem der mannigfaltigen Manifeste des Antiamerikanismus stehen, schließlich fundiert die antiamerikanische Ideologie auf der Vorstellung, die USA seien die Gesellschaft, in der nur Egoismus und Geld regieren.

Insofern verwundert es nicht, dass die amerikanische Präsidentschaftswahl von den deutschen Medien zur „Schicksalswahl“ stilisiert wurde, schließlich ging es, wenn man dem Stern glauben schenkt, bei den Wahlen um nicht weniger, als die Entscheidung „zwischen zwei Ideologien, zwischen dem solidarischen ‚Wir’ und dem ‚Ich’ der USA vor 100 Jahren.“ Einer Studie des German Marshall Funds zufolge, hätten 87 Prozent der Deutschen für das solidarische „Wir“ gestimmt, dem zufolge ein Staat mehr ist, als eine Ansammlung von Individuen, die sich auf gemeinsame Institutionen beziehen.

Die auf einem abstrakten nicht-völkischen Rechts-Universalismus begründete Staatlichkeit der USA gilt dem Antiamerikaner als Nachweis, dass es sich bei den USA nicht um einen Staat im eigentlichen Sinn handelt. Die Unterstellung, bei den USA handele es sich um einen Staat, dessen Recht nur das Eigeninteresse reguliert und schützt, und das dabei nicht auf ein wie auch immer geartetes „Wir“ Rücksicht nimmt, findet ihre weltpolitische Entsprechung in der These, dass die Amerikaner ihr universelles Rechtverständnis nur dazu nutzen, um ihre politischen Interessen rücksichtslos durchzusetzen.

Angesichts dessen, dass auch die Grenzen zwischen Antiamerikanismus und Antisemitismus verschwimmen, stellt sich die Frage nach der Funktionsweise einer Ideologie, die nicht nur das Attentat auf das World Trade Center befördert hat, sondern auch in der Lage ist 87 Prozent der Deutschen für ein „Wir“ stimmen zu lassen. Der Vortrag soll einen Beitrag zur notwendigen Kritik des Antiamerikanismus leisten.

28.03. | 20 Uhr
Djäzz Duisburg

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