Das Infoportal der geläuterten Deutschen

„Antifa Infoportale“ gibt es in manchen Städten. Infoportale verbreiten vor allem die Nachrichten anderer. Es sind reine Onlineprodukte. Dahinter stecken meist ein bis zwei profilneurotische Köpfe. Und in den Köpfen: Himmelschreiender Unsinn.

Die Duisburger Portalisten sind zwar allseits für ihre frappante Ahnungslosigkeit bekannt, damit aber auch durchaus repräsentativ für einen quantitativ nicht zu unterschätzenden Teil des antifaschistischen Mobilisierungspotenzials, weshalb ein Blick auf ihre neueste Textabsonderung – so unerquicklich er sein mag – durchaus sich lohnt. 

Es handelt sich um einen Aufruf zum Protest gegen den Duisburger Pegida-Ableger. Da ein Infoportal – siehe oben – keine eigenen Veranstaltungen auf die Beine stellt, gilt die Werbung einer Versammlung, die ort- und zeitgleich mit der allmontaglichen, Arbeiterlieder-unterlegten, Zombieparade von MLPD und Compagnie stattfindet.

Der Erguss beginnt mit dem Aufruf, “entschlossen” an die Novemberpogrome zu erinnern. Der kommende Montag ist schließlich der 9. November – Nationalfeiertag des geläuterten Deutschlands, zu dem das Antifa Infoportal Duisburg zweifelsohne zählt. Der Text steht unter den Claim „History repeats itself?!“, und setzt so die Reichspogromnacht mit der derzeitigen rassistischen Mobilmachung gleich. Ein schriller Irrsinn zwischen unverhältnismäßiger Dramatisierung und drastischer Verharmlosung. Die Verfolgung und Ermordung von “Jüd_innen”, so der oder die Autoren des Aufrufs, hätte den Tag zu einem “schwarze[n] Fleck in der Geschichte” gemacht. Was oder wer zur Hölle eigentlich Jüden sein sollen, darüber informiert uns das um die Reinheit deutscher Geschichte besorgte Portal freilich nicht.

Im anschließenden Absatz faseln die Netzaktivisten von Deutschen, die gerne Weltmeister im Vergessen wären. Was für ein Quatsch – das Gegenteil trifft zu. Deutschland ist Weltmeister der Erinnerungskultur, und hat ein Denkmal in Berlin, auf das der Deutsche stolz und die ganze Welt neidisch sein soll – so war der Holocaust doch noch zu etwas nütze. Am deutschen Erinnerungswesen soll die Welt genesen. Zum besseren Vertrieb des neuen Exportschlagers reiste Joachim Gauck kürzlich eigens nach Lima, wo die BRD mit 4,5 Millionen Euro eine Gedenkstätte für die Opfer der peruanischen Diktatur gebaut hatte. Gauck hatte guten Rat im Gepäck: „Eine Nation verliert sich nicht, wenn sie ihre Schuld bekennt. Opfer werden gütig, wenn die Täter ihre Schuld bekennen. Unsere Erfahrung hat unsere Nation nicht kaputt gemacht, sondern sie gestärkt. Man kann die Vergangenheit hinter sich lassen, ohne die begangenen Gräueltaten zu verstecken.“ Zum Holocaustgedenktag im Bundestag sprach er: „Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.“. Trotz und wegen Auschwitz gibt es dieses neue Deutschland, trotz und wegen jenes schwarzen Flecks in der Geschichte, an den das Antifa Infoportal Duisburg am 9. November „entschlossen“, vor allem aber „gemeinsam“ und gemäß der BRD-Doktrin, erinnern will. Wege und Plätze in Duisburg sollen zumindest an diesem ganz besonderen Feiertag rein gehalten werden, getreu dem Antifaslogan „Ganz [eigene Stadt einsetzen] hasst die NPD/Rechte/Pegida/AFD“.

Übrigens: An eine Konsequenz aus der deutschen Geschichte möchten die Entschlossenen dann doch nicht erinnert werden: Israel. Fahnen mit dem Davidstern wollen sie am 9. November nicht auf der Straße sehen.

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