Intervention gegen Stéphane Hessel in Essen

Zu einem Auftritt von Stéphane Hessel hatte gestern das notorische Kulturwissenschaftliche Institut geladen – mehr als 1200 Fans kamen. Wir konnten uns über seinen Besuch nicht freuen. Das haben wir dem Publikum vor Ort mit dem folgenden Flugblatt deutlich gemacht (Auch als PDF abrufbar).

Stéphane Hessel in Essen: Warum wir uns heute empören

Die Essener Lichtburg steht exemplarisch für die Arisierung jüdischen Eigentums im Nationalsozialismus. Nachdem der Besitzer Karl Wolffsohn 1934 zum „Verkauf“ gezwungen worden war, herrschte auf der Leinwand die Nazipropaganda. Heute spricht hier Stéphane Hessel. Mit ihm kommt ein Deutsch-Franzose nach Essen, dessen Mitwirken in der Résistance bemerkenswert – wenn auch bei weitem nicht so bedeutend, wie von ihm dargestellt – ist. In der Ankündigung der Veranstalter wird ihm ein Anteil an der Entstehung der Erklärung der Menschenrechte zugesprochen. Den hat es in Wahrheit aber nie gegeben.¹

Hessel, der Retter der Enterbten?

Wahr ist hingegen, dass Stéphane Hessel es sich zur späten Berufung gemacht hat, gegen den jüdischen Staat Israel zu kämpfen. „Empört Euch!“, jenes kleine Heft, zu dem er 14 Seiten beigesteuert hat, wird Millionenfach gekauft. Mit einem Teil der Einnahmen finanzierte Hessel im Herbst 2011 ein Tribunal in Südafrika, und gab dort international bekannten Antisemiten ein Podium, um gegen die Anwesenheit von Juden in Israel zu hetzten, und öffentlich die Terrororganisation Hamas zu unterstützen.² Er selbst schwang sich hier zum Richter auf über die Existenz des jüdischen Staates. Für Hessel sind es die Israelis, die Schuld daran haben, dass in Gaza keine zivilisatorischen Verhältnisse herrschen. Den unterdrückten und verfolgten Gegnern der Hamas tut er damit keinen Gefallen. Für Hessel ist Israel keine offene, demokratische Gesellschaft, sondern ein düsteres Apartheidsregime. Die weltweit von Verfolgung, Rassismus und Genozid betroffenen, seien es Schwarzafrikaner in Darfur oder Bahai im Iran, interessieren ihn hingegen nicht. Kriege und Hungersnöte in aller Welt sind für ihn nicht von Belang. Seine ganze Obsession gilt dem kleinen Judenstaat. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung behauptete er gar, die deutsche Besatzungspolitik in Frankreich sei, verglichen „mit der heutigen Besetzung von Palästina durch die Israelis“, eine „relativ harmlose“ gewesen. Mehr als 70.000 deportierte Juden erzählen eine andere Geschichte, Herr Hessel!

Nur ein Mainstream-Wutbürger

Ist das der „neue Aufbruch“, den Stéphane Hessel fordert? Sind das die Grundlagen des „neuen Gesellschaftsvertrages“, den er will? Lügen, Antisemitismus und Populismus? Nun, in Deutschland kommt er damit gut an. Als Ikone des deutschen Wutbürgers, der gegen jeden Fortschritt ins Feld zieht – oder in den Stadtpark. Empört Euch! Gegen was und warum, ist nicht so wichtig. Das sich dabei wirklich etwas verändern könnte, ist ja schließlich nicht zu befürchten. Das ist die Quintessenz von Hessels spärlichem Output. Warum also in die Lichtburg kommen? Um zu hören, dass das „Finanzkapital“ die Wurzel allen Übels sei, genügt ein Blick in die Süddeutsche Zeitung. Doch das reicht offenbar nicht, denn es ist eben etwas anderes, sich das Ganze von einem vermeintlich antifaschistischen Kronzeugen bestätigen zu lassen. Erst recht von einem, der sich selbst fälschlicher Weise mit der Aura des ‚Jüdischseins‘ umgibt. Im Deutschlandfunk heißt es über Hessel, er sei „aus der Zeit gefallen“. Das Gegenteil ist der Fall. Hessel wird vom langweiligen Mainstream, in dem sich parteiübergreifend jeder über Spekulanten, Zionisten, Wall Street und Besatzer aufregen darf, zu dessen Sprachrohr. Er feilt weiter an der Legende seines Lebens, einem Märchen vom Widerstand gegen die Tyrannen, und vom Aufbegehren gegen die Ungerechtigkeit. Damit lebt er über seine Verhältnisse. Dieser alte Mann kann uns über Antifaschismus nichts mehr erzählen. Er befleckt die Erinnerung an den Widerstand gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus. Aber noch schlimmer ist: Er stemmt sich Seite an Seite mit den neuen Antisemiten gegen den „Juden unter den Staaten“ (Léon Poliakov): Israel.

¹ Hessel: La Déclaration des droits de l’homme, témoin de l’audace de l’époque. Centre d’Actualités de l’onu, 10 décembre 2008 (http://bit.ly/zpfMvZ)
² Russel Tribunal on Palestine. Third international session, Cape Town, 5-7 November 2011. South Africa session, Full Findings (http://bit.ly/u5NmKw)

Ein Gedanke zu „Intervention gegen Stéphane Hessel in Essen

  1. 9 11 pirat

    —DIESEN ANTISEMITISCHEN KOMMENTAR VON „911pirat“ VERÖFFENTLICHEN WIR ZUR DOKUMENTATION–

    ihr seit die wahren antisemiten!gegen holocaust überlebende hetzen nur weil diese sich für den frieden einsätzen und diese dann auch noch als antisemiten zu denunzieren ist echt ungalaublich.ihr solltet mal einfach mal die klappe halten mit euren lügen und aufhören israelkritische holocaustüberlebende zu denunzieren.notfalls habe ich für euch eine idee zieht einfach mal nach gaza und dan wisst ihr wie „gut“es dort die palästinenser haben.denen geht es nämlich grotten schlecht.ach ne aber die sind ja selbst schuld weil sie den juden nicht wiederstandslos ihr land überlassen wollen.hört also mal besser auf zu heucheln.herr hessel hat wenigstens gegen die nazis gekämpft wehrend ihr heute schön die nazis in israel wie die jetzige regierung in schutz nimmt.denkt alson mal in zukunft darüber nach bevor ihr das nächste mal so unqalivizierte äusserungen von euch gibt.herr hessel hat mehr ahnung vom ns system als ihr jemals haben werdet.oder wart ihr schon einmal in einem kzttodesslager inhaftiert,darüber bangend das ihr jederzeit ermordet werden könnt?und die behauptung das her hessel sich nicht für die hungernden in der welt interessieren würde ist eine lüge!also entschuldigt euch gefelligst wenigstens bei herrn hessel wegen dieser hetze.

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