Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg: Damit ist jetzt schluss.

In den vergangenen zehn Jahren hat Duisburg uns aushalten müssen und – schlimmer – wir diese Stadt und ihre Zustände. Damit ist jetzt schluss. In Zukunft wird es das BgA Duisburg nicht mehr geben.

Die vergangenen zehn Jahre haben die eine oder andere Ungeheuerlichkeit gesehen, die ohne unsere Pressearbeit vielleicht eine lokale Randnotiz geblieben wäre. Stattdessen wurden zum Beispiel der „Duisburger Flaggenstreit“ im Jahr 2009 und die antisemitischen Ausschreitungen von Essen im Juli 2014 Themen der internationalen Presse und hatten parlamentarische Nachspiele.

Zu unseren Demonstrationen und Kundgebungen kamen manchmal kaum zwanzig Genossinnen und Genossen, wie vor sieben Jahren, als wir mehrmals in Düsseldorf vor Firmen mit Verbindungen zum iranischen Regime demonstrierten. Bei anderen Aktionen kamen Hunderte, zum Beispiel zu unseren Kundgebungen gegen eine Hamas-Konferenz in Wuppertal (2011) oder gegen Recep Erdogan in Bochum (2012). Immer wieder haben wir auch an den Demonstrationen anderer Organisationen teilgenommen, zum Beispiel 2012 gegen Judith Butler in Frankfurt. Jahrelang haben wir außerdem aktiv die Proteste von Stop the Bomb gegen den antisemitischen Quds-Marsch in Berlin unterstützt. 2015 waren wir zu diesem Anlass auch Teil eines antifaschistischen Bündnisses, welches uns dann kurioser Weise vor Ort in letzter Sekunde das Mikrofon verweigerte – ausgerechnet aufgrund von Anschuldigungen aus dem militanten israelfeindlichen Spektrum.

In Düsseldorf, 2014

Solche Vorfälle waren natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass wir im Umgang mit dem politischen Gegner stets großen Wert auf eine lustvolle Polemik als Waffe der Kritik gelegt haben. Es war unsere Art des mao’schen Trennungsstrichs. Doch zugleich war uns eine differenzierte und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus und der Gesellschaft in der er stattfindet wichtig, wenn möglich in ausführlichen themenbezogenen Veranstaltungsreihen. Deshalb haben wir dutzende Filmvorführungen, Diskussions- und Vortragsveranstaltungen organisiert. Auch bei denen sind wir manchmal fast unter uns geblieben, mal kamen hingegen hunderte Interessierte – zum Beispiel zu einer vielbeachteten Podiumsdiskussion im Jahr 2011, oder zum von uns mitveranstalteten Kongress „gegen die jüngsten antisemitischen Ausbrüche“ in der Alten Synagoge in Essen (2015). Intern haben wir die Impulse der vielen Referentinnen und Referenten, die wir über die Jahre eingeladen haben, in unsere Debatten einbezogen und die Themen vertieft. Die angeregte Diskussionskultur im BgA ist in gewissen Kreisen legendär. Über manche Topics, wie die sogenannte Beschneidungsdebatte, konnten wir auch nach Jahren auf keinen grünen Zweig kommen. Aber das war Okay, schließlich haben wir uns immer eher als Zweckbündnis verstanden, anstatt die Gruppe zum Selbstzweck zu machen.

Kongress in Essen, 2014

Kongress in Essen, 2014

Und dieser Zweck bestand nicht zuletzt in den zahlreichen praktischen Interventionen, die wir Antisemiten und Feinden Israels nicht erspart haben. 2010 ließen wir den Israelhasser Norman Paech nicht unwidersprochen an der Duisburger Uni auftreten, 2013 artikulierten wir unsere Kritik an Stéphane Hessel bei seinem Gig in Essen, 2015 beehrten wir Jürgen Todenhöfer im Audimax der UDE. Und 2014 tauchten unsere Spruchbänder für die entführten israelischen Kinder Eyal, Gilad und Naftali im ganzen Ruhrgebiet an Brücken und Wahrzeichen auf. Eine fast vollständige Chronik unseres Wirkens mit vielen Fotos und Presseberichten findet sich unter http://www.bga-duisburg.net/presse.

Am Rande einer antisemitischen Demonstration in Duisburg, 2009

Am Rande einer antisemitischen Demonstration in Duisburg, 2009

Zu guter Letzt freuen wir uns, dass sich mittlerweile in so mancher Stadt Gruppen gegen Antisemitismus engagieren, die unter tatkräfiger Mitwirkung ehemaliger BgA’ler entstanden sind. Und wir danken den vielen Gruppen, Vereinen und Gemeinden, die mit uns in all den Jahren kooperiert haben. Insbesondere bedanken wir uns bei der Amadeu Antonio Stiftung, die immer wieder unsere Projekte unterstützt hat. Ohne sie hätten wir nicht all diese großartigen WissenschaftlerInnen und PublizistInnen einladen können: Konstantin Bethscheider, Alex Feuerherdt, Lothar Galow-Bergemann, Jan Gerber, Stephan Grigat, Alex Gruber, Dimitri Kravvaris, Olaf Kistenmacher, Katharina König, Lisa Lübars, Ahmad Mansour, Paul Mentz, Sebastian Mohr, Carolin Mothes, Kazem Moussavi, Ljiljana Radonić, Lars Rensmann, Jörg Rensmann, Jan Riebe, Karl Selent, Tilman Tarach, Bassam Tibi, Sebastian Voigt und Justus Wertmüller.

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